Landesweites Treffen der SOR-SMC-Schulen in Kirkel

 

 

In Kirkel fand das landesweite Treffen der „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“-Schulen zum 10-jährigen Jubiläum im Saarland statt.

Zahlreiche SchülerInnen und LehrerInnen erschienen und die folgenden Workshops wurden uns kurz vorgestellt:

1. „Islam und Ich“

2. „Coming Laut“-Schwule und Lesben im Unterricht“

3. „Workshop zur Gedenkstätte Gestapolager Neuen Bremm“

4. „Samstags um ½ 4- Fußball und Rassismus“

5. „Umgang mit Vielfalt“

6. „Wir komponieren einen Rap-Song“

 Man konnte sich für einen Workshop entscheiden. Wir, einige Schülerinnen des Saarpfalz-Gymnasiums der AG „Schule ohne Rassismus“, entschieden uns für den zweiten Workshop.

In einem Kreis sitzend, stellten wir uns alle vor und begründeten, wieso wir diesen Workshop gewählt hatten.Daraufhin zeigten uns die Leiter dieses Workshops viele Bilder von prominenten Personen und fragten, ob wir die sexuelle Neigung dieser Menschen erraten könnten.

Was wir daraus an Erfahrung mitnehmen konnten, ist, dass man nie genau weiß, wer homosexuell ist, da sich nicht jeder öffentlich dazu bekennen würde. Zudem kommt es auch auf die Definition des Wortes „homosexuell“ an. Wer kann sich als homosexuell bezeichnen? Was ist mit denen, die selbst gar nicht wissen, dass sie homosexuell sind? Was, wenn sie nur vorgeben, heterosexuell oder bisexuell zu sein, weil es in der Gesellschaft einfacher ist als zuzugeben, dass man homosexuell ist?

Von daher kann man nur schätzen, wie viele Homosexuelle es weltweit gibt. Die Zahl wird auf 3-10% geschätzt, die Dunkelziffer wird jedoch weitaus höher sein.

Wendet man aber diese Prozentzahl an, dann gäbe es allein im Saarland rund 30000- 100000 Homosexuelle.Nach diesem Ratespiel machten wir ein Brainstorming mit der Überschrift „Sexualität“. Viele Begriffe wurden zusammengetragen, wie z.B. Ehe, Liebe, Verhütung oder Adoption.

Nun wurde die Überschrift zu „Homosexualität“ geändert und die Teilnehmer des Workshops diskutierten miteinander, ob die Begriffe nun immer noch gültig seien.

Die angeregte Diskussion führte letztendlich dazu, dass alle Begriffe stehen blieben. Als nächstes wurden die Teilnehmer in zwei Gruppen eingeteilt. Die eine Gruppe war „homosexuell“, die andere „heterosexuell“.

Es wurden 20 Fragen zu „Alex“ gestellt, der ersten großen Liebe. „Alex“ war für die Gruppe der „Homosexuellen“ gleichgeschlechtlich und für die Gruppe der „Heterosexuellen“ gegengeschlechtlich. Die Fragen konnten mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.

Eine Frage lautete zum Beispiel: „Würdest du mit Alex Hand in Hand über den Schulhof laufen?“Am Ende wurden die „Ja’s“ gezählt und es wurde deutlich, dass die Gruppe der „Homosexuellen“ oftmals größere Probleme und Schwierigkeiten hat, ihre Sexualität auszuleben, als die Gruppe der „Heterosexuellen“.Dies liegt zudem daran, dass die Gesellschaft und das Umfeld das Outing und das offene Ausleben der Sexualität für Homosexuelle sehr schwer machen.

Wir hörten uns einige Outing-Geschichten der Leiter des Workshops an, die übrigens alle im LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland) sind, und erkannten, dass in Deutschland immer noch viel Intoleranz herrscht.Man kann sich in Deutschland vielleicht leichter outen als z.B. in Russland, wo es massive Proteste gegen Homosexuelle gibt, aber dennoch herrscht noch Diskriminierung, auf dem Land oft sogar noch schlimmer als in Großstädten.Die Outing-Geschichten zeigten uns aber auch, dass es manchmal besser ist, ehrlich zu sein und dann möglicherweise die Konsequenzen zu ziehen, als ein Leben lang ein Versteckspiel führen zu müssen.

Des Weiteren nannten wir Vorurteile, mit denen Lesben und Schwulen zu kämpfen haben und wir fanden heraus, dass diese Klischees oft eben nur Klischees sind.

Es mag sein, dass es eine Minderheit der „Klischee-Lesben“ und „Klischee-Schwulen“ gibt, aber man darf nicht den Fehler begehen und diese Klischees auf alle Homosexuellen beziehen.„Aber man sieht doch überall nur solche „Klischee-Homosexuellen“!, mögen einige einwerfen.Dies ist wahrscheinlich aber nur so, weil der Rest der Homosexuellen völlig „normal“ aussieht und einfach so gar nicht dem Klischee entspricht und deswegen nicht als homosexuell zu erkennen ist.Viele Wissenschaftler beschäftigen sich mit den Gründen für Homosexualität.Manche meinen, es sei angeboren, andere begründen es durch die Hormone oder Gene und manche tun es durch falsche Erziehung oder durch sexuellen Missbrauch ab.

Fakt ist, dass die Ursachen für Homosexualität nicht geklärt sind.Aber eines ist sicher: Homosexualität ist keine Entscheidung.Zum Schluss spielten wir noch ein Spiel, bei dem wieder Fragen gestellt wurden, wie z.B.: „Wer hat schon einmal einen Mann geküsst“.

Es gab zwei Ecken: „Ich“ und „Ich nicht“.

Bei manchen Fragen war die Mehrheit bei „Ich“ und bei anderen Fragen war es genau anders herum.Dieses Spiel sollte uns zeigen, dass jeder irgendwann einmal eine Minderheit darstelle und dass man sich oftmals dabei unwohl fühle.

Nach dem Workshop wurden in allen sechs Workshops grob die Ergebnisse und Erkenntnisse präsentiert.Zusammenfassend kann man sagen, dass dieser Tag sehr bereichernd und unterhaltsam war, dassdieWorkshop-Leiter ungemein nette und liebe Menschen sind, die Respekt verdient haben, und dass viele etwas dazugelernt haben, und dieses Wissen hoffentlich weitertragen und so zu mehr Toleranz und Akzeptanz verhelfen.

 

Denise Klos